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4.4.1998

Kino

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Jugendfilmtage: Die Welt der Unterschiede

Dass Biwidus auch dieses Jahr an die Jugend-Filmtage ging, war Ehrensache. Immerhin haben wir schon 1996 und 1997 sogar zwei Mal darüber berichtet. Auch dieses Jahr fanden sie im Museum für Gestaltung statt. Verliehen wurde einmal mehr der Panther für den besten Film einer Kategorie, bewertet von Jury und Publikum. Wir sahen uns die Kategorie der Rundzwanzigjährigen an. Und schon hier wurde klar: die Unterschiede sind immens. Schon fast extrem.

Mein absoluter und ultimativer Favorit und unterdessen semiprofessioneller Akteur sind die Leute von MC Sly-Productions, die nicht das erste Mal an den Tagen waren. Ihr (nachgemeldeter) Beitrag "Hannes Z." ist ein längerer Schwarzweiss-Spielfilm mit hohen Qualitäten. Es geht dabei (und allein das Vorhandensein eines einigermassen klaren Drehbuches unterscheidet sie von den anderen) um einen Comizeichner, der alle seine Zeichnungen in der Realität wiederspiegelt sieht. Ob es die Frau seiner Träume ist, der Tod seiner senilen Nachbarin oder die Kiste Geld, alles wird wahr. Und umgesetzt ist das kleine Beta-Epos in einem guten Ausgleich aus Musik, Schnitten, ausgezeichneten Schauspielern und einer gekonnten Kameraführung.

Etwas ausgefallen, weil phantasievoll ist auch "For a few dollars more", eine freche und simple, aber witzige Hommage an Spaghettiwestern, ein Erstling von Marcel Wolfisberg. Positiv auch der Horror-Animationsstreifen "A Tell-Tale heart". Zwar völlig chaotisch und ruckig, aber ganz originell wurde hier ein Stoff von Edgar Allan Poe umgesetzt. Witzig ist auch der VHS-Streifen über abgelaufene Daten, eine durchgedrehte und wohl im Suff entstandene Story über Vergänglichkeit.

Sehr negativ weil total pseudokommerziell war der von einem Chemiemulti gesponserte Pseudodok eines Schülers, der seine malerischen Ferienvideos vergolden liess und einen Werbefilm für Medikamente drehte. Aufbau und Vertonung waren überprofessionell, der Rest überflüssig. Völlig verschissen auch ein Beitrag (dessen Namen nicht erst genannt werden muss), der als Stummfilm (gähn) die poetischen Alpträume einer alptraumhaften Ekelzwergin erzählt. Ebenfalls überflüssig. Enttäuschend auch das Werk des jungen Altmeisters Alain Gsponer, der in langweiligen und abtörnenden Längen einen Altlinken portraitiert, gute Idee schlecht umgesetzt.

Zu allgemeinen Feststellungen: Beta hat sich durchgesetzt und wird sogar bei Animationen verwendet. VHS ist nur noch als Stilmittel für Trash da. Trash aber ist in und wird je länger wie mehr als inhaltliches und technisches Stilmittel eingesetzt. Das schadet dem Film nicht immer, ist aber kein Freipass für verfilmte Quirlscheisse. Auch DV taucht langsam auf. Die Jungen arbeiten technisch nicht schlecht, die Arbeiten sind an sich ganz originell und arten wie bei "Hannes Z." in fast "deplazierte" Professionalität aus. Negativ ist immer noch das Fehlen von Frauen anzumerken, die fast nur in der Kategorie Experimentalfilm anzutreffen sind.

Grossmodo: viel hat sich nicht geändert, ausser dass die Filme tendenziell immer "sehenswerter" werden, sich also von den früheren "besseren Ferienvideos" abheben. Das heisst auch, dass die Jugendlichen etwas gemerkt haben: bevor sie den ersten Schuss drehen, sollten sie die Planung nicht vergessen.



Für Biwidus: Wildcat (EMail) (hat schon hunderte von Stunden gefilmt)