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1.2.1996

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Ein kindischer Skandal

Im zwinglianischen Zürich ist es absolut kein Problem, wenn Sexszenen in Kinofilmen gezeigt werden. Auch, wenn junge Leute den nackten Dödel von Bruce Willis oder die phantastischen Formen von Sharon Stone auf der Leinwand sehen, kratzt das keine Sau mehr. Aber die Zensurbehörden tun sich schwer mit Filmen, die eine gewalttätige Atmosphäre zeigen, vor allem dann, wenn sie realistisch sind.

Einen Beweis lieferten gemäss Recherchen von Biwidus die Sachverständigen der Zürcherischen Jugendkommission. Der Jugendfilm des Amerikaners Larry Clark, sein Erstlingswerk, namens "Kids" darf nur von Erwachsenen über 16 Jahren gesehen werden. Der Antrag, das Alter auf mindestens 14 herabzusetzen, wurde nach einer ersten Visionierung rundweg abgelehnt. Der zuständige Jugendstaatsanwalt Dr. Sandro Piracini äusserte gegenüber Biwidus, dass die drei (natürlich erwachsenen) Sachverständigen den Film nicht für Jugendliche geeignet gehalten haben. Der Verleiher, Focus Film, lehnte einen möglichen Rekurs ab.

Um was geht es bei diesem Film? "Kids" erzählt die realistische Geschichte einer Gruppe von jungen (12-17) Skatern in den Gossen von New York. Die jungen SchauspielerInnen stammen tatsächlich aus der Strasse. Ein junger Sexoman, Telly, schläft nur zu seinem Vergnügen mit jungen Frauen und hat sich ein Hobby daraus gemacht, sie zu entjungfern. Nur, Telly ist HIV positiv. Und seine Gespielinnen dann auch. Neben dieser eigentlichen Rahmenhandlung wird die Lage dieser hoffnungslosen Generation von heute ungeschützt gezeigt, der 22jährige Drehbuchautor Harmony Korine gehört dann auch in diese Szene.

Die Geschichte um Jugendliche im Sumpf von AIDS, Drogen und hedonistischer Vergnügungssucht war in den USA ein Skandalfilm, denn er ist völlig unverblümt, schwarz und baut eine sehr gewalttätige Atmosphäre auf, ohne dass es tatsächlich zu überbordender Gewalt oder gar Sexszenen käme, es ist niemals ein nackter Körper zu sehen. Obschon der Film auf Jugendliche zugeschnitten ist, und obschon diese sich davon gar nicht gross berührt gefühlt haben, wurde die Alterslimite auf eine Höhe gesetzt, wo die ZuschaeurInnen vor allem Aeltere sind, die schon Erfahrung auf diesem Gebiet haben.

Wenn ein Aufklärungsfilm von seinem Zielpublikum nicht mehr gesehen werden darf, dann hat er keinen Sinn, ausser dass er unterhält oder einen Skandal entfacht. Unterhalten tut er nicht, aber der Skandal ist perfekt. "Kids" zeigt auf, wie prüde unsere Gesellschaft ist, die einen offensichtlichen Jugendfilm Jugendlichen vorenthalten will.

Clark zeigt eine Generation auf der Ueberholspur, die vom Leben nichts mehr anderes erwarten kann, als das reine Vergnügen. Diese Generation wächst mit dem Tod auf und stösst fast gezwungenermassen auf diese Seuche, die als die Seuche unserer Zeit und somit dieser Generation gilt. Sicher ist "Kids" in Sachen Aufklärungsfilm ein Schlag mit dem Dampfhammer und nicht so brav wie die Spots des BAG. Aber in Sachen "Stop Aids" sollte es eigentlich keine Skrupel geben. Gerade die junge Generation von heute, die mit Gewalt (z.B. im TV) aufwächst, kann nur so sensibilisert werden.

"Kids" macht betroffen. "Fun, fun, fun!" heisst die Devise, auch wenn mensch daran zugrunde geht. Sex und Drogen sind die Begleiter unserer Generation, es ist an uns, dass wir lernen und lehren, damit umzugehen. "Kids" wäre der erste Schritt dazu gewesen. Aber die Zensur hat dies vereitelt. Vorläufig. Genau so, wie der junge Casper am morgen nach einer durchgezechten und -gebumsten Nacht feststellen muss:"Jesus Christus, was ist geschehen?".



Für Biwidus: Wildcat (EMail).