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6.6.1997

Open Air St. Gallen: Lustig i-h-ist das Camperleben

Wer schon jemals am Open Air im Sittertobel gewesen ist, weiss, dass dieses Festival mehr ist, als eine Aneinanderreihung von Konzerten. Es ist sogar fast mehr das Leben in der Zeltstadt, das während dreier Tage zu einer Art Jugendsiedlung wird. Das muss man sich einmal vorstellen: eine Stadt mit 30'000 überwiegend jugendlichen EinwohnerInnen und der entsprechenden Ausdehnung. Ein Zelt steht neben dem anderen, alle sind gleich, alle pennen unter quasi freiem Himmel und ernähren sich von der Hand in den Mund. Und wer sonst unter dem Jahr irgendeiner bohrend langweiligen Arbeit nachgeht, freut sich über diese Tage.

Wichtig dabei ist allerdings, dass man seinen Claim früh genug absteckt. Dies aber führt zu einem regelrechten Run auf die guten Plätze schon am Freitag morgen. Ich habe schon vieles gesehen, was so hineingetragen wird. Es gibt selbst Blockzelte mit Stereoanlage und so weiter. Einen Fernseher habe ich aber nicht gesehen. Die meisten kochen auf einem Campingkocher oder einem Lagerfeuer, wobei ersteres für den Landvermieter sicherlich angenehmer ist. Das grössere Problem für den Open Air-Besucher ist die Kühlschrank-Frage. Ein Spaten ist hier immer eine gute Investition. Ein Loch von etwa einem halben Meter graben und mit einen Plastiksack als Feuchtigskeitsschutz auskleiden. Und fertig ist der provisorische Fridge.

Wenn wir schon bei Problemen sind. Die sanitären Anlagen. Der eigentliche Schwachpunkt des OA, wohl kaum so einfach zu lösen. Wer mal muss, steht entweder stundenlang an den Latrinen an (vor allem bei den Frauen schlimm) oder scheisst/pisst irgendwie irgendwohin. Die Sitter hat an diesen Tagen eine immense Belastung, was z.T. auch an der etwas problematischen Einstellung der Leute gegenüber dem Abfallproblem liegt. Ein Tip also: wenn möglich, dann "verhebt" man das Geschäft auf später. Zum Glück ist die Beschaffung von Food und zu Trinken nicht so'n Problem. Ein Tip: der Frass auf dem Gelände ist gut, aber teuer. Deshalb ist es ratsam, sich den Weg zum nahen Einkaufszentrum Waro zu merken und sich die Mühe zu machen, dort mal die Posti-Säcke füllen zu gehen. Bester Tag: der Samstag.

Weitere Tips fürs Campen oder so? Treffpunkte und Treffzeiten sind immer gut, z.B. beim Anschlagbrett vor der Hauptbühne. Am morgen ist die Atmosphäre übrigens am schönsten, so um sechs mal rübertschalpen und sich einen Kaffe gönnen, ist ein wundervolles Gefühl. Dann kann man auch schnell mal jemanden kennenlernen und sich über die frischen Gipfeli unterhalten. Und wenn wir schon beim Kennenlernen sind. Pariser gibts genug beim Stop Aids-Stand. Und trotz aller verführerischen Anblicke, ein Zelt ist nur sehr dünn. Und die NachbarInnen haben wohl kaum Freude an einem Stöhnkonzert von nebenan. Schliesslich und endlich: wer ankommen will, schleppt ein paar Paper mit sich. Der schönste Joint isst der um Mitternacht an einem spontanen Lagerfeuer.

NewsNewsNews

Die Aussis von Midnight Oil haben ihren Auftritt am Open Air abgesagt. Gemäss eines Internet-Communiques des OK haben sie den Grund angegeben, dass sie mit Plattenaufnahmen beschäftigt sind. Auch abgesagt hat Neil Young, offiziell aus Krankheitsgründen. Somit fehlen zwei bedeutende Headliner am Open Air, die jetzt innert kürzester Frist von den Organisatoren ersetzt werden müssen.

Surft also jetzt nicht mehr an uns vorbei, wenn ihr News wollt oder besucht die Internetsite des Open Airs.

Ueber folgende am Open Air teilnehmende Bands hat Biwidus bisher berichtet:

Patent Ochsner
Die fantastischen Vier
Bürger Lars Dietrich
Der Wolf
Pippo Pollina

Biwidus brachte bisher zum Schwerpunktthema St. Galler Open-Air 96 und 97 folgende Artikel:

1996

Eine Liebeserklärung an das Open Air St. Gallen
Schwerpunkt Open-Air St. Gallen: Magos
Schwerpunkt Open-Air St. Gallen: Max Lässer
Schwerpunkt Open-Air St. Gallen: Dodo Hug
Schwerpunkt Open-Air St. Gallen: s Pfanneschtiil Chammer Sexdiit
Schwerpunkt Open-Air St. Gallen: Crank
Open-Air: was es noch zu sagen gibt
Jubiläums-Open Air in St. Gallen: der Freitag
Jubiläums-Open Air in St. Gallen: der Samstag
Jubiläums-Open Air in St. Gallen: der Sonntag

1997

Die unerträgliche Leichtigkeit des Open Air St. Gallen (Vorankündigung 1997)
Biwidus live vom Open Air St. Gallen
Open Air 1997: Subzonic
Open Air 1997: Vera Kaa

Für Biwidus: Wildcat (EMail) aus Zürich