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St. Gallen
8.4.1997

Die unerträgliche Leichtigkeit des Open Air St. Gallen

Na gut, ich gebe es ja zu: Ich komme aus St. Gallen. Trotz persönlicher Sympathien für diese grossartige Stadt im Osten der Schweiz, möchte ich meinen Senf abgeben zum diesjährigen, bereits 21sten Open Air.

Am 8. April lud das Komitee des Open Airs die Presse in das ziemlich neu eröffnete Back Stage nach St. Gallen, um ihnen die Acts dieses Jahres vorzustellen. Das interessante an dieser Pressekonferenz war, dass diese gekoppelt war mit einem öffentlichen Konzert, das wiederum von DRS 3 live übertragen worden ist (verpasst? selber schuld!). Alleine diese Idee war genial verglichen mit der Pressekonferenz des Out In The Green, welche in einem schmucken, aber sterilen Konferenzraum abgehalten wurde.

Kurz zu den infrastrukturellen Neuigkeiten am Open Air: Es gibt eigentlich keine und das ist auch gut so. Die so viel beschworene Lagerfeuerromantik im einzigartigen Sittertobel ist ja schliesslich zu einem Markenzeichen des Festivals geworden. Davon zeugen auch die 16 000 bereits verkauften Tickets, bei einer Kapazität von knapp 26 000 Leuten.

Nun aber zu den Bands. Das Open Air St. Gallen ist bekannt dafür, dass es Bands engagiert, die einerseits zum Festival passen und andererseits den verschiedensten Stilrichtungen entstammen. Dies ist auch dieses Jahr nicht anders. Wie jedes Jahr gibt es vier Headliner, welche im deutschsprachigen Raum den einzigen Auftritt auf dem St. Galler Open Air haben. Es sind die Smashing Pumpkins, Beck, INXS und man staune: Neil Young.

Die Hauptacts stellen eine Sythese von Alt und Jung dar. Neben den Smashing Pumpkins, den Lieblingen von MTV und Beck, welchem nachgesagt wird, dass sein Debut Album Mellow Gold DAS Album der Neunziger sei und das Nachfolgealbum Odelay von ME/Sounds zur Platte des Jahres 1996 gekürt wurde, kommen auch INXS und Neil Young. INXS, die australischen Helden der Achtziger, haben in diesen Tagen Elegantly Wasted herausgebracht und werden am St. Galler sicherlich dafür sorgen, dass das Publikum voll abgeht, zumindest das weibliche. Der eigentliche Höhepunkt der Hauptacts ist aber Neil Young, der Godfather of Grunge. Obwohl er letztes Jahr im Hallenstadion gewesen ist, wird sein Auftritt alles andere als langweilig werden. Dafür sorgt nicht zuletzt seine Begleitband Crazy Horse.

Die kleineren Bands sind eigentlich gar nicht so klein. So kommen zum Beispiel Bad Religion. Die Punker, die sich in den Achtzigern zu einer regelrechten Kultband gemausert haben, gehören zu den Besten ihres Faches und werden in St. Gallen sicherlich einen meilenweit besseren Eindruck machen, als dies letztes Jahr die Sex Pistols gemacht haben. Aber auch Texas, Zap Mama, die H-Blockx und das Trio Ben Folds Five werden das ihrige zum Erfolg des Festivals beitragen.

Am Open Air gibt es immer wieder Musiker aus unserem nördlichen Nachbarland. Das ist auch dieses Jahr nicht anders. Nachdem letztes Jahr das Fette Brot, MC René und der Tobi & das Bo auf der Heubühne voll abgegangen sind, kommt dieses Jahr die Speerspitze der deutschen Sprechgesangszene, die Fantastischen Vier. Aber auch kleinere Kaliber des Hip Hop geben sich im Sittertobel die Ehre. Es ist dies einerseits der Wolf, der zur Zeit eine Heavy Rotation bei allen Medien erlebt und Bürger Lars Dietrich, der die Heavy Rotation auf VIVA bereits hinter sich hat.

Auch die schweizer Szene kommt am St. Galler nicht zu kurz (wie sie jedes Jahr nicht zu kurz kommt). Dieses Jahr sind neben Patent Ochsner auch Florian Ast & Florenstein und die aus der Ostschweiz stammenden Starglow Energy. Trotz dieses ausgewogenen und genialen Programmes gibt es noch vier Acts, mit welchen noch kein Vertrag unter Dach und Fach ist. Man kann also gespannt sein.



Vitsky (EMail) für Biwidus aus dem Back Stage in St. Gallen
Links und Infos: http://www.goeast.ch/openairsg