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Rock gegen Hass und ohne Bob Dylan
To go or not to go, that was the question, habe ich mich frei nach Shakespeare gefragt,
als ich von der Absage von Altstar und Mythos Bob Dylan hörte. Und es war von Anfang an
klar, dass es sich jetzt entscheiden sollte, wer aus politischen Gründen hingeht und wer
aus persönlichen. Das Lineup war ja nicht besonders. Aber eben, so wie bei vielen
Open-Airs weiss man auch vom "Rock gegen Hass",
dass es ein Balanceakt zwischen kommerziellem Anlass und modernem Woodstock ist.
Biwidus entschied sich hinzugehen. Mit vielen Sponsoren und Fürsprechern ist "Rock gegen Hass"
ja auch eine Prinzipfrage. Also erwarteten wir eine politische Festivalstimmung. So war es dann
auch. Immer wieder durchbrachen mehr oder weniger schlaue und gelungene Ansprachen wider den
Fluch des Rassismus die Ruhe unter dem sich verdunkelnden Himmel. Das Programm abseits der
Hauptbühne war passend zum Sinn des Festivals.
Auf der einen Seite waren die antirassistischen "Rock Kidz gegen Hass", die
den Tag prägten. Andererseits aber auch die vielen Stände. Neben den üblichen
Multikulti-Fressständen und den Tandverkäufern standen ausnahmsweise auch die Zelte
verschiedener Organisationen aus der ökosozialen Branche. Hier und dort konnten sich die
Kinder der Anwesenden gebührend unterhalten. Es war also zumindest hier ein politischer Anlass,
da kann man den Veanstaltern nichts übel nehmen. Trotzdem gab es einige ganz Bescheuerte, die
von der anderen Seite her mit einem Transpi erklärten: "Kommerz bekämpft Rassismus nicht" oder
so ähnlich. Mag ja sein, aber damit können mehr Leute für antirassistische Anliegen gewonnen
werden als mit solchen Kindereien.
Ach ja, die Musik. Das gab es ja auch noch. Als erster Höhepunkt kamen die norddeutschen
Funrapper von Fettes Brot, die mit ihrer ironisch-sozialkritischen
Art und den erfrischend coolen Texten an sich schon politisch sind. Ihr Auftritt war ja
auch eher für die jüngeren Jahrgänge, denn die Afrofunker um Apartheid-Kritiker und
Altstar Johnny Clegg, sowie der noch viel überholter wirkende Zucchero waren doch eher
für die Komposties unter den 7000 ZuschauerInnen.
Jedenfalls bekamen die immer noch zahlreichen Anwesenden recht guten Sound vorgesetzt, wenn
man auch sagen muss, dass es an diesen Open Airs auch schon mehr Begeisterung gegeben hat.
Die Fetten Brote spielen halt noch immer ohne Band. Zu dritt springen sie wie Flöhe auf der
Bühne umher. Sie texten zwar lustig, aber so richtig geil isses nicht. Johnny Clegg und
Zucchero ihrerseits sind leider langsam für die Oldies-Section. Und das Wetter riss ja auch
nicht mit. Bilanz: alles o.k., aber nicht gerade umwerfend.