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Sizilianisch-schweizerische Fusion: Pippo Pollina
Jaja, der liebe Junge. Pippo, der waschechte Sizilianer, der in Zürich wohnt,
trat schon sehr früh am Sonntag auf. Gähn. Aber der Typ hat etwas an sich, das
macht sogar den Durchmacher wach. Ich meine, ich bin befangen, weil ich Pippo
Pollina schon lange schwer ok finde, aber zu so unchristlicher Zeit war dieses
Konzertchen von 40min genau das, was ich brauchte.
Pippo trat mit Riesenband auf, immerhin wurde er von drei Musikern begleitet,
so kenne ich ihn gar nicht. Einmal hatte er nur einen Compagnon auf der Bühne. Was
schweife ich ab? Seine Songs haben etwas federleichtes, seine Erscheinung trotz nicht
mehr ganz jugendlichen Alters etwas jungenhaft schelmisches. Und so schaffte es Pippo
sogar, schon vor dem Sonntagmittag einige Unentwegte zum Tanzen zu bringen. Sein
einziger eigentlicher "Hit" ist "Camminando", was seine gesanglichen Qualitäten zwar
aufzeigt, aber nur mit eigener Gitarre wohl bedeutend besser geklungen hätte.
Was mir arg gefehlt hatte, waren die sonst sehr intelligenten und
höchst amüsanten Sprüche, die er sonst
zwischen seinen Songs bringt. Das sind nicht einfach nur Sprüche, sondern ganze
Geschichten über das Italienersein in der Fremde. Und überhaupt fehlte das Persönliche,
das an seinen anderen Gigs (ich habe immerhin zwei gesehen) gehaftet hat. Er konnte mit
dem für ihn wohl überwältigend grossen Publikum (trotz fast gäääääähnender Leere vor
der Sitterbühne) wenig anfangen. Aber wenn er mal so weit kam, wurde es doch ganz lustig.
Besonders amüsant wird es nämlich, wenn der Sizilien-Helvetier sein Secondo-Kauderwelsch
aus mindestens zwei Sprachen hervorholt.
Das Publikum hatte sichtlich Freude an ihm, aber Pippo konnte sich nicht so ganz
durchsetzen, hatte man das Gefühl. Klar, dieser Sound fährt erst richtig rein,
wenn Cantautore Pollina in einer kleinen Beiz auf einer kleinen Bühne auf einem
kleinen Barhocker sitzt und seine kleinen coolen Song-Geschichten erzählt. Ich freue
mich also aufs nächste Pippo-Konzert im Albani.