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Mehr als nur ein Punk Rock Song
In der Punkszene herrscht zur Zeit ein heilloses Gewirr. Wiedervereinigte Klassiker wie
die Sex Pistols haben nur kurz Bestand gehabt. Anders die Misfits, welche sich trotz der
Absenz von Glenn Danzig durchschlagen vermögen. Dazu kommen einige neue Punkbands wie Green
Day, die mehr Unheil anrichten als irgendwelche Schlagersänger, da ihre Art von Musik
keinerlei Glaubwürdigkeit besitzt.
Hoch über diesen Gewirr gibt es nur wenige Band, welche Beständigkeit und Qualität über
eine lange Zeit liefern können. Eine dieser Bands ist ohne Zweifel Bad Religion. So richtig
eine Breitenwirkung erzielte Bad Religion aber erst, nachdem sie vom Epitaph Label, welches
sie eigentlich aufgebaut hatten, zur Majorcompany von Sony Music wechselten. Ihr letztes
Studioalbum The Gray Race hatte dann auch steigende Verkaufszahlen zu verbuchen.
Obwohl Bad Religion letztes Jahr zwei Mal in der Schweiz waren (inmal im Clubraum der Roten
Fabrik, wo nur etwa 200 Personen hereinkamen und ein halbes Jahr später in der Eulachhalle
in Winterthur) nahmen sie die Wagnis auf sich innerhalb 15 Monaten ein drittes Mal zu kommen.
In alter Manier enterten Greg Graffin und seine Mannen die Bühne, auf welcher sie dann 45 Minuten
ihre Instrumente massiv und gnadenlos beackerten. Dem Publikum wurde keine Pause gewährt und so mussten
die armen Zuschauer pogen, was das Zeug hielt. Graffin schaffte es immer wieder durch Witze
und Sprüche über andere Bands, welche am Open Air noch auftreten werden, nie den Kontakt
zum Publikum zu verlieren.
Durch die Auswahl der Songs bot Bad Religion einen repräsentativen Querschnitt durch ihr
Schaffen, wobei kein Hit ausgelassen wurde. Obwohl Bad Religion sich als Auflage für ihren
Auftritt eine Beschallung des Publikums von 120 Dezibel (erlaubt sind momentan 100 db)
ausbedungen hat, erlaubte
sich Graffin, das Publikum insofern anzuheizen, dass dieses "Lauter, Lauter" zu skandieren
begann, was dann wiederum von Bad Religion musikalisch untermalt wurde.
Mit dem Punk Rock Song rundeten Bad Religon ihr kraftgeladenes Set ab. Gewiss bleibt, dass
Bad Religion in der Tat ihren Platz in der Ruhmeshalle des Punkt behalten wird und gewiss
bleibt auch, dass einige Zuschauer heute abend ihre Quetschungen und Prellungen ausheilen
werden. Das wird aber halb so schlimm sein im Schatten eines grossartigen Konzerts.