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30.8.1998

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Ein mensch-licher _Leserbrief

Glam, die zweite

Auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist, so sagt das Sprichwort. Und Biwidus ist als Medium der internetten Gegenöffentlichkeit bekannt dafür, dass es gerne und oft jemandem ans Bein pinkelt, worüber sich dieser rechtens dann auch entsprechend aufregt. Das sind wir gewohnt. Ueber unseren unlängst erschienen Artikel übers Glam hat sich ein Biwidususer ziemlich nachhaltig aufgeregt. Wir möchten seine Messi mit einem kurzen und anschliessenden Kommentar wiedergeben. Doch so viel vorne weg: unter anderem wirft er uns Rufmord und einen verschissenen Schreibstil vor. Seine Kritik in Ehren, aber von Rufmord kann keine Rede sein, wenn wir einfach etwas kritisieren, es ist schade, dass er sich selbst eine Schreibe zugelegt hat, die unter jeder Würde ist.

Also, DJ Tschügge (war scheins einer der Plattenleger am besagten Abend) schreibt folgendes: "Hy Wildcat. Da ich erst seit kurzem über einen Internetanschluss verfüge, habe ich erst gestern deinen Bericht über die Eröffnungsparty des Glam Kommerzschuppens in Wettingen gelesen. Nun ich stimme mit Dir überein, dass diesem Club von Anfang an keine grosse Überlebenschancen zu geben waren. Den Clubräumlichkeiten fehlte die Atmosphäre und wohl auch die nötigen Investitionen, um etwas Stilvolles, Aussergewöhnliches an den Tag bzw. in die Nacht zu legen. O.K. über deinen Eichhofbiergeschmack muss ich mich auch nicht auslassen.

Aber wenn Du den oberen, gastronomischen Teil des Gebäudes als "sehr anmachend" empfunden hast, möchte ich Dir einen sehr sehr schlechten Geschmack attestieren. Wie Du über die Aargauer hergezogen bist, sind wir uns langsam gewohnt. Obwohl es sich immer wieder herausgestellt hat, dass dies nur Zürcher brauchen, die 1. eh nichts zu sagen haben! 2. diejenigen Zürcher sind, die unter das Aargauer Niveau fallen und beinahe an ihren Minderwertigkeitskomplexen draufgehen! 3. Sich überhaupt nie ernsthaft mit der Aargauer Kulturszene auseinandergesetzt haben!

Deine journalistische Fähigkeiten muss ich nach dem Lesen des Textes anzweifeln. Nicht den etwas ungehobelten, eher phantasielosen Schreibstil sondern deine Tendenz zu "Blick-Verlogenheiten" haben mich zu dieser Antwort bewogen.

Richtigstellungen

Deine selbsternannte Modeschöpferin Anja Brändli alias Anja Sun Suko (übrigens eine vollblut Zürcherin) hat dich des Lügens gestraft. So gewann doch die "Hobbyschneiderin" den diesjährigen Schweizer Modepreis "Prix Bolero". Ha!

Von wegen magersüchtigen Models. Tamara (übrigens eine Aargauerin), eines der Models, hat ihre Setkarten bei renommierten NY-Paris-Mailand Agenturen. Sie bekommt, horch auf, auch Aufträge. Haha!

Die Musik an diesem Abend wurde von eurem Zürcher Star DJ Domie (Liquid Groove) und DJ Freeza auf die Plattenteller gebracht. Ja, das Hip-Hop und R'n'B nicht jedermanns/frau Sache ist, verstehe ich, und schon gar bei solch schlechtem Hip Hop, wie es diese 2 Zürcher DJ's brachten. Hahaha!

Aber da in Deiner Kritik nur von Scheisshitparadensound zu lesen war, fasse ich das als eine persönliche Beleidigung, journalistische Unwahrheit und annäherndem Rufmord auf. Vor allem zeugt dies von deiner totalen Inkompetenz einen solchen Text zu verfassen.

Ich sammle seit Jahren Jazz, Funk, Latin, Soundtrack, Library, Raregroove, Afro, funky Trip-Hop & jazzy Beats und lege diese auch auf. Ach ja, ich machte die Eröffnung des Abends (nur für geladene Gäste) und spielte die 1 1/2 Stunden vor der Modeschau. Aber da bist Du wahrscheinlich noch in der Warteschlange an der Kasse gestanden.

Übrigens mit deinem Urteil im Internet über meinen Sound beleidigst Du auch das Label, für das ich auflege. Nähere Informationen unter www.monorec.ch (Pipo & Spruzzi lassen grüssen, übrigens einer der etabliertesten Plattenläden in Zürich)

Mach nicht weiter so, Wildcat! Und als Berner, der im Aargau wohnt, möchte ich es dir ganz auf eine internationale Art und Weise sagen:

Shut up! Buthead!!!!

Gruss Tschügge

Biwidus entgegnet: mein lieber (oder wie auch immer du genannt werden willst) Tschügge. Es tut mir irgendwie leid, dass wir uns unter diesen Umständen kennenlernten. Ich möchte von vorneherein unterstreichen, dass es nicht um dich oder das Glam als solches ging, sondern um diesen Trend der Kommerzschuppen (und das Glam als aktuelles Beispiel), wo Musik und Unterhaltung für das Party-Publikum bis zur Vergasung geboten wird. Ich verstehe dich hoffentlich richtig, dass wir uns in diesem Punkt (der grundsätzlichen Ablehnung dieses extremen Kommerzialisierungstrends) einig gehen.

Ueber die Einzelheiten am Glam gibt es nicht viel zu streiten, ich war seither nie mehr dort, es hat mir abgelöscht, ehrlich gesagt, ich denke auch nicht, dass sich das ganze zu einem besseren gewendet hat. Zu deiner Musik muss ich zugeben, vielleicht war es wirklich so, dass ich sie vor lauter rumhängen verschlafen habe. Bitte nicht persönlich nehmen. Aber eines muss ich doch noch unterstreichen: Musik für die Massen ist schön und recht, wenn sie honigsüss und kantenlos daherkommt, aber wie weit kommen wir, wenn sich alle nur noch (sic!!!) unterhalten wollen? Wenn alle nur noch Party im Kopf haben? Wenn alle nur noch mit dem Strom schwimmen? Was meinst du, was dann passiert? Eine rhetorische Frage, nicht wahr? Wir sind ein (vielleicht etwas zu sehr) linkslastiges Medium und stehen alle eher auf Indie, ich lasse dir und deinen Mittänzern eure Musik (ehrlich), aber nur noch Fun??? Den Kommentar lasse ich im Raum stehen.

Nun etwas zu einem Vorwurf, der mich als Zürcher UND Wahlaargauer verletzt hat. Ich kann und will nicht akzeptieren, dass jedeR AargauerIn jede Kritik an der manchmal etwas provinziellen Ausrichtung vieler BewohnerInnen, vor allem, wenn sie auch noch offenbar satirisch überspitzt ist, als Zürcherische Arroganz abtut. Das ist schlicht lächerlich. Du schreibst, implizit, dass wir ZürcherInnen keinen Mucks machen dürfen, wenn es um den Aargau geht. Danke gleichfalls. Vor allem für die Kultur gilt: ich weiss sehr genau, was läuft, aber es überzeugt mich nicht alles, ich kann und will nicht zu allem ja und amen sagen, nur weil es einer quantitativen Mehrheit gefällt. Anhang: meine Freundin ist Aargauerin, sie mag an sich Kommerzschuppen, aber auch sie fand diesen Abend nicht gerade fantastisch.

Des weiteren zu meiner angeblich unjournalistischen Schreibweise. Das mag stimmen. Ich arbeite aber als Journi und betreibe im Gegenteil absichtlich einen nonkonformistischen Stil, sage, was Sache ist, was ich finde. Das ist klar als persönliche Meinung deklariert, denn sonst müssten wir das Anti-Medium Biwidus schliessen. Zu deinen Fakten: ich weiss, dass Anja erfolgreich ist. Das kratzt mich aber nicht. Das sind keine "Kleider", das ist nur noch Show, schade, dass das immer verwechselt wird. Der Hedonismus steht im Vordergrund. Wir haben uns dagegen immer gewehrt. Dasselbe gilt für Tamara, ich achte sie persönlich, finde es aber einen fertigen Scheiss, dass so viele (meinetwegen andere) Girls nur noch magersüchtig sind und nur als Model was gelten möchten. Und das mit dem Scheisshitparadensound: ich stehe dazu, möchte aber darauf hinweisen, dass ich nicht die ganze Schau von A bis Z gemeint habe, sondern einen Schnitt.

Ich nehme alle deine Beledigungen (buthead) als das auf, was sie sind: die Beleidigungen eines persönlich Beleidigten. Schade, dass du das alles so nimmst. Aber das ist ein Beweis, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nur, weil wir damit jemandem ans Bein pinkeln (absichtlich oder nicht), hören wir nicht auf. Biwidus sieht sich als "Lifestyle-Medium" (in Gänsefüsschen) der Gegenöffentlichkeit, das nicht immer alles applaudiert. Wir sind der unabhängige Missing link von der "linken" Alternativkultur zur "rechten" Kommerzkultur. Deshalb machen wir weiter, nicht, weil wir denken, dass wir es besonders gut machen, sondern dass es uns überhaupt gibt. Wir sind nicht gut, aber wir sind.

PS: Wenn du willst, kannst du ja auch einen Beitrag für Biwidus schreiben, wo du das ganze von deiner Warte aus siehst. Wie alle anderen auch.



Für Biwidus: Wildcat (EMail) (kein Kommerzschuppenfan)