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5.8.1998

Wirtschaft

Swisscom-Aktien

Telecom-Privatisierungsdiskussion

Ein neualtes Zürcher Bier

Streik bei Hürlimann

Feldschlösschen, bald ein Monopol?

Bierfusion

Die besoffene Aktie

Nur schnell so als Zwischenbemerkung, bevor es danach wieder regulär weitergeht. Ich meine, nicht, dass ich mich nun über die Swisscom lustig machen will, ich verstehe auch, dass es nicht einfach ist, einen vormals staatlichen Monopolbetrieb zu privatisieren, der grösser ist als viele andere Firmen. Und doch: die Ausgabe der sogenannten "blauen" Aktie (welch unsäglicher Name, wer auf die Idee gekommen ist. gehört in die telekommunikative Wüste geschickt!!!) ist doch einige Bemerkungen wert. Schliesslich handelt es sich beim "Nichtmehrganzmonopolbetrieb" Swisscom unbestritten um den ganz heissen Tip für die Zukunft. Neben dem blau-besoffenen Riesen werden wohl die Konkurrenten die ewigen Zweiten sein.

Ich habe wie alle anderen auch einen Versand erhalten, wo mir der Kauf der Swisscomaktien schmackhaft gemacht wird. Zwar handelt es sich mal vorläufig nur um eine Absichtserklärung, den Kaufvertrag kann und werde ich später mal unterschreiben. Egal, jedenfalls überlege ich mir einige Sachen dabei. Erstens: bei der Swisscom handelt es sich um diejenige Firma (oder zumindest die Branche), die mehrere Boombereiche abdeckt. Seien es das Internet und andere Datenübermittlungsdeals oder die privaten elektronischen Medien, die wie Pilze aus dem Boden schiessen, E-Commerce und andere virtuelle Geschäfte oder allfällige aus diesen Bereichen entstehende Synthesen. Die Swisscom und ihre KonkurrentInnen beackern ein breites und kommerziell höchst einträgliches Feld.

Zweitens: ich bin Kommunist, mindestens bin ich der Meinung, dass die grossen Kerngeschäfte in Volkes Hand bleiben müssen, damit sich niemand an denen bereichern kann. Mittels der "blauen" Aktie kann eine sehr breite Aktionärsbasis geschaffen werden, die sich nicht mehr gross vom Ursprungsstatus des Staatsbetriebs unterscheidet. Anders gesagt: je mehr sich daran beteiligen, umso mehr ist die Swisscom eine Firma des Volkes, ohne jedoch die Schwerfälligkeit eines Regiebetriebes zu haben. Drittens: je weniger Shareholders ihren value wollen, desto grösser ist die Chance, dass der Betrieb weiterhin soziale und ökologische Prinzipien hochhält, denn das Volk (und somit das Aktionariat) will das!!! Viertens, das finde ich auch wichtig, sind die Erwartungen gestiegen, die an die Swisscom erhoben werden. Flexibel, günstig, dienstleistungsorientiert, sozial und doch ökonomisch soll sie sein. Wenn die KundInnen wie GenossenschafterInnen gleichzeitig auch die TeilhaberInnen sind, können diese Ansprüche auch mit Nachdruck erhoben werden. Davon profitieren schliesslich alle.

Die Sache hat für mich als Nichtbörsianer aber einen wichtigen Haken. Bis die im heissen Konkurrenzkampf stehende Swisscom mal wirklich Rendite ausschüttet, ich meine so viel, wie ich es als Anfänger erwarten würde, braucht es noch viel, schliesslich muss an der Firma noch immer rumstrukturiert werden, neben dieser Doktoriererei sind noch immer viele Investitionen zu tätigen, um dem "Feind" Paroli zu bieten, der billiger und wohl auch beweglicher ist. Telekommunikation ist eine teure Sache, ob die Swisscom auch beim Interkonnektionsdeal mit den Konkurrenten gut rauskommt, ist zu bezweifeln. Im grossen und ganzen ist der blaue Riese zwar sicher ein erfolgreiches Pferd für die Zukunft, aber nicht für die nahe.

Kurzum: der Kauf der Swisscomaktien bringt sicher dem blauen Riesen was, dem Markt ebenso, auch die Grundidee, dass die ehemalige Staatsfirma auch in Zukunft mittels einer Art demokratischen "Volksaktie" doch in der Hand der Massen bleibt und nicht an irgendeine Interessensgruppe verhökert wird, ist trotz aller Kritik an Privatisierungen sicher keine schlechte Lösung. Vielleicht ist sogar der Verzicht auf eine echte Volksaktie la Deutsche Telekom ein richtiger Entscheid, da dann die flüssigen Mittel tatsächlich fliessen und die Firma doch jemandem gehört (wenn auch vielen). Es ist also sicher ein Tip an alle, die sonst nicht wissen, wohin mit dem Geld. Aber die Firma sollte dabei auch nicht vergessen, dass viele Erwartungen damit verbunden sind, dazu gehört, dass der Riese flexibel und vor allem verhältnismässig wird, dass nicht das beamtische Prinzip im Vordergrund steht, sondern der Dienst an der Allgemeinheit (resp. am KundInnen, was nicht dasselbe ist).



Für Biwidus: Wildcat (EMail) (Käufer? Wohl kaum)