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3.7.1997

Open Air St. Gallen: kritischer Rückblick auf Biwidus live

Grundsätzlich möchte ich untertreichen, dass unsere Arbeit am Schluss zufriedenstellend bis gut war. Vor allem, wenn ich die diesjährige OA-Site mit der letztjährigen vergleiche, fällt mir auf, dass ein guter Ausgleich von Inhalt und Bildern da war. Das ganze kam ausgeglichener daher, weil der Plan der GoEast-Leute, das Web einfach nur mit Bildern vollzumüllen m.E. nicht aufgehen kann.

Insofern war unsere Zusammenarbeit erfolgreich, denn wir machten aus einem rein technischen ein informatives Projekt. Für die User war es angenehmer, gleichzeitig Bild und Text aufladen und anschauen zu können. Zumal die Texte eine akzeptable Länge hatten. Die Idee, Audiodateien draufzuknallen war wie erwartet ein Zusatzdienst, den es hierfür wirklich braucht.

Negativ

Mir fielen vor allem zwei Punkte auf, die wirklich schlecht waren, die wir in Zukunft ändern müssten, wenn wir noch einmal so was vorhaben sollten (!!!). Und zwar die Kommunikation und die Vorbereitung.

Zur Kommunikation. Dass wenigstens Tino und Gaudi ein Natel hatten, war überhaupt die Grundlage für das gute Ergebnis am Schluss. Denn so konnte ich mit ihnen andauernd die Situation analysieren und allfällige Vorgehensweisen abmachen. Sei es, dass jemand plötzlich für ein Inti oder für irgendein Konzert irgendwo sein musste. Ich denke mir, dass hier unser Vorteil lag und wir nie so weit hätten kommen können, wenn wir nur per hinterlassener Nachricht gearbeitet hätten, vor allem bei dem Wetter, wos allen gestunken hat, in den Mediencorner zu gehen.

Deshalb ist es entscheidend, dass ein nächstes Mal (wenns das gibt), dieses Netz auf alle verbreitet werden muss. Und sei es mit einem ausgeklügelten Pagersystem (SMS?) oder mit Walkie-Talkies oder wasweissich. Denn gerade bei dem Wetter hätte auch unser Zeltcamp als Treff nichts genützt. Gerade bei Vitsky und Biwi wäre ein Kommunikationsmittel sicher kein Nachteil gewesen.

Zur Vorbereitung. Inhaltlich und redaktionell gesehen bin ich weder mit meiner eigenen, noch mit der allgemeinen Leistung ganz zufrieden. Denn ich habe es wirklich versäumt, das Zeug inhaltich vorzubereiten. Ich war der irrigen Meinung, dass im Medienbereich oder auf den vielen Internetterminals gennug Infos zu den Bands (inkl. Ton) zu finden sei. Das war nicht der Fall, und prompt waren wir im Sumpf. Denn einfach nur ein Festbericht bringts nicht (seht als Bsp. meinen Smashing pumpkins-Bericht an). Sobald aber jemand mehr weiss, kann er/sie mehr (qualitativ verstanden) darüber schreiben. Bsp. Vitskys Bad Religion oder mein Subzonic undundund.

Die Konsequenz ist, dass wir uns besser oder überhaupt vorbereiten. Das heisst, dass es (mein Fehler, sorry) wichtig gewesen wäre, schon einige Wochen vor dem Open Air eine Aufteilung zumindest der Hauptbühnenbands zu machen. So hätte jedeR von uns gewusst. woran er/sie sein würde. Und vor allem hätte mensch sich vorbereiten können. Ich glaube, dass es möglich ist, z.B. in 2 Wochen Infos über je 4-5 Bands zu recherchieren. Sei es auf dem Web oder aber auch bei der jeweiligen Plattenfirma. Und das haben wir versäumt, da haben wir - habe ich - wirklich versagt.

Vielleicht aus der naiven Annahme aus, dass wenn ihr schon was freiwillig macht, ihr kein Interesse und keine Zeit habt, schon vorher Zeit dafür aufzuwenden. Ich habe nicht daran gedacht, dass es für euch angenehmer gewesen wäre, lieber etwas (wäre je ja etwa Std.) Zeit für die Vorbereitung zu opfern und dafür etwas richtiges hinzuzaubern. Web sei dank. Das war das Problem. Und deshalb hatten wir z.B. auch so eine dürftige Audiopräsenz. Wenn wir schon bei der Vorbereitung die 4-5 Bands und ihre Plattenfirmen angehauen hätten, hätten wir auch Intitermine, signierte Cds zum verlosen etc. bekommen. Da haben wir eben versagt. Leider. Das wäre der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Und der Aufwand? Villeicht eine Std. plus 5 Franken Telephonkosten. Eigentlich wenig, oder?

Dazu sind weitere erschwerende Probleme gekommen. Wir hätten vielleicht doch beim Eingang in der Nähe des HQ campieren sollen. So mussten wir beschwerliche, nervende und ermüdende Spaziergänge auf uns nehmen müssen. Das müssen wir ein nächstes Mal beachten, zumal wir ja das Wetter kannten. Dann war die Videogang ein Problem. Ich hätte nie gedacht, dass die vom OA sich sooooooooooooooo querstellen, wenn ein TV-Sender wie TeleZüri über sie berichten will und sich zu spät angemeldet hat. Ich weiss nicht, woran es lag, aber ich fands mühsam, wenn die zwei Kids herumgestakst sind und wir uns um sie kümmern mussten (unsere Badges) anstatt der Pressedienst oder so. Also, es sollte klar sein, dass es zwar nötig war, dass die über unsere Arbeit berichten, aber nicht um diesen Preis. Es war leider eine kurzfristige Sache, so dass ich euch nicht rechtzeitig informieren konnte.

Etwas enttäuschend war wie gesagt die Sache mit den Intis. Das müssen wir vielleicht auch etwas besser und mit mehr Selbstvertrauen angehen. Ich hatte das Gefühl, dass wir uns scheuten, Intis zu machen. Was natürlich nicht geht, so schwer ist das im Vergleich zum Ertrag nicht. Es wäre deshalb besser gewesen, uns untereinander darüber zu koordinieren und notfalls mittels Anweisung das Inti von jemand anders von uns machen zu lassen. Und wir müssen einfach mehr Leute darauf anhauen.

Zum Technischen, so weit ich das verstehe. Das nächste Mal haben wir einen eigenen und nur für uns geltenden Internetanschluss, das war ein Fehler, uns auf die öffentlichen zu verlassen. Ich hatte weder eine Ahnung, was läuft auf der Site, noch konnte ich mich informieren über andere Sachen. Ferner müssen wir darauf pochen, dass wir mehr in die Layoutarbeit einfliessen können, denn mir schien, dass z.B. Biwis Potential und (auch unsere) Erfahrung in der Sache einfach brach lag.

Bei einem nächsten Mal muss die redaktionelle Betreuung auch die layouterische Arbeit an den Seiten (nicht am Gesamtmedium) von uns zumindest mitgestaltet werden. Denn ein journalistisches Medium bildet eine Einheit. Es käme ja kein Radiofritze dazu, in die Arbeit der Telecom reinzureden und umgekehrt. Ich glaube, wir haben uns zeitweise vom Chaos, den die Jungs im Container z.T. hatten, hie und da anstecken lassen. Abgesehen davon wären 1-2 Digis mehr gut gewesen, vielleicht hätten wir uns hier noch etwas umschauen müssen. Z.T. war es zufällig, ob jemand ne Kamera (und zu jeder gehört auch ein Fotipass) hatte oder nicht.

Fazit. Ich weiss, dass wir ein Projekt wie dieses nicht mehr machen. Jawoll, denn ich verstehe, wenns dem einen oder anderen von uns mehr oder weniger gestunken hat. Trotzdem fand ich die Erfahrung gut, denn ich glaube, dass wir den Beweis geliefert haben, dass es sehr wohl möglich ist, ein solches unabhängiges Life-Magazin zu machen, auch wenns ein Freiwilligenteam macht, denn viel hat nicht gefehlt. Wirklich nicht. Ich denke, dass wir uns nicht abwenden sollen vor dieser Idee, sondern einen allfälligen weiteren Einsatz einfach besser koordiniert machen müssen. Das Out in the Green liefert vielleicht die Möglichkeit, Alternativen zu suchen.

Das Experiment Biwidus live am Open Air St. Gallen ist also weitgehend geglückt. Abgesehen davon und zu Schluss. Der Sinn dieser Aktion war es ja nicht nur, das auszuprobieren, sondern auch Werbung für unsere Sache. Und wie man es auch dreht und wendet, das ist gelungen. Ich kenne den Einfluss unsere Abrufzahlen zwar nicht im Detail, aber offensichtlich wurden wir überall wenigstens genannt. Und das ist ja schon sehr gut. Von der Menge an neuen Suchmaschineneinträgen gar nicht zu reden. ;-) Biwidus am Open Air St. Gallen ist deshalb grossomodo als grosser Erfolg zu werten.

Persönliche Bemerkungen

Ich möchte allen danken, die mitgemacht haben. Ja, denn es ist nicht selbstverständlich, an einem solchen Anlass und unter diesen Umständen echte und ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Ich finde, wir haben uns wirklich fast alle erdenkliche Mühe gegeben. Und wenns mal irgendwo nicht gestimmt hat, liegt das Problem jetzt auf der Hand. Ich fands gut, dass wir auch Tino und Rebecca als "Aussenstehende" integrieren konnten, wenn das auch zeigt, dass wir einfach mehr Leute im Team brauchen.

Mir selber hats Spass gemacht (mit Abstrichen, wie dem Lärm, dem Wetter und meiner schlechten Vorbereitung). Ich finde mehr denn je, dass es Biwidus braucht und dass wir gute Arbeit liefern. Dass unser Verständnis und unsere Stossrichtung richtig ist. Ich merke aber auch, dass wir eher bei unserem Rhythmus bleiben sollten. Das können wir besser. Resp. Das können wir gut.

Schlussbemerkungen

Folgende Band-Webadressen soll ich in deren Namen weitertragen: Smudo von den fantastischen Vier und Subzonic.

Die Videogang den Beitrag im August jeweils am Mittwoch und Sonntag. Surft also jetzt nicht mehr an uns vorbei, wenn ihr News wollt oder besucht die Internetsite des Open Airs.


Für Biwidus: Wildcat aus dem Sittertobel St. Gallen