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28.6.1997

Satire in Hochform: Tresenlesen

Geil. Gei-el! Jeder, der an diesem sumpfig-miefigen Nachmittag vor der kleineren Heubühne Stellung bezogen hatte, kam auf seine und ihre Rechnung. Tresenlesen waren angekündigt. Für die, die sich unter diesem Namen nichts vorstellen können, sei folgendes gesagt. Tresenlesen sind zwei Deutsche - wohl aus der Gegend des Ruhrpotts - die sich nach dem Motto "doppelt verscheissert hält besser" über so alles lustig gemacht haben, was es so gibt. Sie rissen einen Witz nach dem anderen, bewehrt nur mit einem Rucksack und einem Riesenhaufen Gags. Vor allem aber beherrschten sie die Sprache wie Martina ihren Tennisschläger.

Der Themen gibt es ja viele, über die man sich lustig machen kann. Tresenlesen haben sie alle durch den Kakao gezogen, der Reihe nach und mit verschiedensten Soundeffekten garniert. Ein Spruch gab sich dem anderen, das Publikum wurde mit einem ganzen Feuerwerk an Gags bombardiert. Dabei spielten sie sogar mit dem Publikum, aber der Vergleich mit Frank Baumanns Ventil endet mit 5:0 für Deutschland. Der Dicke mit dem versuchten Fairy ultra-Angriff auf sein Fett (um den Bauch) und der Lange mit dem Bart waren eine Erfreuung der erfrischend anderen Art.

Besonders gut kamen die Witze an, die den bürgerlich-korpulenten Familienvater mit wenig Geduld und viel Durst verarschten. Dabei erwiesen sich die Leute aus dem Publikum als emanzipatorisch sehr aufgeklärt, was die Künstler auf der Bühne wiederum als Angriff gegen die Republik werteten. Also, wer irgendwo auf der Strasse ein Duo stehen und quatschen sieht, wovon einer dick und der andere lang ist, hört mal zu, denn sie sind wirklich göttlich witzig, die Kerle von Tresenlesen.



Für Biwidus: Wildcat (EMail)