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Sittertobel
26.6.1997

Easy Listening am Nachmittag

Sonntag Nachmittag, im Sittertobel herrscht gemütliche Aufbruchstimmung. Bei dieser Stimmung sind Ben Folds Five genau richtig, mit ihrem Sound, der das Aufstehen am Morgen zu einer stresslosen Angelegenheit werden lässt. Wie uns der Sänger, Pianist und Mastermind Ben Folds erklärte, so sei dies ihre letzte Tour in Europa, da sie einerseits schon zwei kleine Tours im Dezember und Februar absolviert hatten und sich nun mehr auf die Vereinigten Staaten konzentrieren wollen, da die USA schliesslich ihr Heimatland seinem. Wer also Ben Folds Five am St. Galler Open-Air verpasst hat, ist selber schuld!

Ben Folds Five sind längst keine Unbekannten mehr. Schon das zweite Album konnten sie bei einem Major Label unter Dach und Fach bringen. Auch die Teilahme an dem herumreisenden Lollapalooza Festival trug zu ihrer Bekanntheit bei, obwohl ihre Musik ganz und gar nicht so unkonventionell ist wie von den anderen Lollapalooza-Teilnehmern. Betreffend des Unterschiedes zwischen Auftritten in Clubs und auf Festivals erklärte uns Ben Folds folgendes, und zwar dass Ben Folds Five eigentlich lieber in Clubs spielen, da dort auf mehr musikalische Finessen geachtet werden könne, was aber nicht ausschliesse, dass sie auch gerne an Festivals kommen würden.

Die Songs von Ben Folds und seinen Mannen fliessen seichte mit der Easy-Listening Welle mit. Trotzdem schaffen sie es sich durch unkonventionelle Sprenkel sich vom Rest der Easy-Listening Suppe abzuheben. Das Unkonventionellste ist ohne Zweifel, dass Ben Folds Five ohne Gitarre auftreten. Darin sieht auch Ben Folds ihr Erfolgsrezept, da unkonventionelle Bands wie Sonic Youth und Ministry zur Norm geworden seien, werden Ben Folds Five mit ihrem Gitarrenlosen Sound automatisch zum neuen unkonventionellen Sound.

Das Konzert war dann auch ziemlich unkonventionell, zwar sorgten die Songs für eine relaxte Stimmung, aber Ben Folds Five wechselten zwischen langsamen und schnellen Songs gekonnt ab, sodass nie tempomässiger Einheitsbrei entstand. Zeitweise hatte man das Gefühl das Elton John, der sich dem Hardrock verschrieben hat, auf der Bühne stehen würde.

Einer der Höhepunkte war, als Ben Folds sein Mikrophon in den Flügel hereinhielt und auf diese Weise Scratchtöne aus dem ehrwürdigen Flügel herausholte, die den Hip-Hop DJs alle Ehre machen würden. Dazu kommt noch die geniale Bearbeitung des Basses durch Robert Sledge. Der Nachteil an diesem Konzert war einzig, dass es zum Schluss zu regnen begann, was sich bis zum Interviewtermin zu einer rechten Dusche ausweitete.


Vitsky (EMail) für Biwidus