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Zürich
13.6.1996

Cineville: ein fester Bestandteil des Kulturkalenders

Der Hauptbahnhof ist immer wieder Schauplatz diverser Ausstellungen und sontiger Events. Ein idealer Ort, denn der Hauptbahnhof ist täglich eine Schleuse riesiger Menschenmassen. Für Hans Rudolf Jost, dem Initianten der Cinéville-Kinonächte, war es ein Anliegen, an diesem Platz die ersten Kinonächte durchzuführen. Hier, wo sich so viele Menschen begegnen und man ebenso viele erreichen kann.

Diese Idee reifte innert kürzester Zeit zu einem Projekt. Eine Tribüne mit 1100 Sitzplätzen wurde an die Vorderseite des Post- und Dienstgebäudes gebaut und eine Leinwand von über 300 m2 Projektionsfläche aufgestellt. Genau dort, wo in früheren Jahren einmal das Kino Rex gestanden hatte. Für Romantiker ein geschichtsträchtiger und würdiger Ort. An die 3000 Filmfreaks sahen sich in den drei Nächten der erstmaligen Durchführung Filme wie "Die Hard III" oder "Cinema Paradiso" an. Für Hans Rudolf Jost und seine Crew, aber auch für die SBB Grund genug, um dieses Event weiter zu führen.

"Jede Nacht ein Thema", unter diesem Motto wird das diesjährige Festival angekündigt. Am Donnerstag ist "Killer-Night", am Freitag "Thriller-Night" und am Samstag "Action-Night" angesagt. Gestartet wird in diesem einmaligen Ambiente der riesigen Bahnhofshalle mit dem inzwischen zum Kultfilm avancierten "Pulp Fiction" von Quentin Tarantino, in dem sich die Hollywood-Grössen John Travolta, Harvey Keitel, Uma Thurman wie auch Bruce Willis und Samuel L. Jackson die Ehre geben. "Pulp Fiction" wurde 1994 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Der zweite Film an dieser Eröffnungsnacht, "Leon - Directors Cut" ist die Neuversion von "Leon - Der Profi". Der französische Erfolgsregisseur Luc Besson zeigt eine andere, knisternde und unterschwelige Adaption dieses Erfolgsstreifen. Zugleich feiert "Leon - Directors Cut" bei Cinéville seine Schweizer Premiere. Mit Jean Reno, Gary Oldman, Danny Aiello und der Entdeckung Natalie Portman ist dieser Streifen ebenfalls mit hochkarätigen Schauspielern besetzt.

In der zweiten Cinéville-Nacht, der "Thriller-Night", macht der mit zwei Oscars ausgezeichnete Film "Midnight Express" den Auftakt. Eine Geschichte um einen jungen Amerikaner, der wegen Besitzes von zwei Kilo Haschisch in türkischen Gefängnissen seine Strafe absitzend zum Politikum wird Mit dem Oscar für das beste Drehbuch gelang Oliver Stone der Durchbruch. Auch der Südtiroler Giorgio Moroder, der für die beste Filmmusik den anderen Oscar bekam, ist heute in aller Munde.

Die Schweizer Premiere feiert in dieser Nacht "Fargo", ein Werk der Gebrüder Joel und Ethan Coen. Ein heruntergekommener Autoverkäufer lässt durch zwei kleine Diebe seine eigene Ehefrau entführen, um damit seinen wohlbetuchten Schwiegervater zu einem Lösegeld zu erpressen. Dieser zahlt zwar, aber nun scheint in der Kleinstadt Fargo alles ausser Kontrolle zu geraten. Die bei uns noch nicht so bekannten William H. Macy, Steve Buscemi und Frances McDormand spielen in diesem, mit viel dunklem Humor gewürzten Thriller die Hauptrollen.

"Action-Night" oder anders gesagt: Schwarzenegger trifft Van Damme! In der Abschlussnacht rettet der österreichische Muskelprotz Arnold Schwarzenegger als kleiner Bauarbeiter im Jahre 2084 den von Menschen kolonialisierten Planeten Mars vor dem Bösen. In einer kleinen Nebenrolle und als Gegenspielerin von "Magic Arnold" ist auch Sharon Stone zu sehen. Ein guter und handfest gemachter Action-Movie aus der Hand des Holländers Paul Verhoeven.

Den Abschluss und zugleich die letzte der drei eidgenössischen Premieren an diesem Festival macht der belgische Karatestar Jean-Claude Van Damme. Auch für den Flamen ist es ein Debut. Denn erstmals führt er auch Regie. In "The Quest" findet sich Van Damme in den New Yorker Slums der Jahrhundertwende wieder. Als findiger Taschendieb landet er nach einer abenteuerlichen Flucht unvermittelt im fernen Osten. Eigentlich will er nichts lieber, als nach Hause zurück zu kehren. Bis er in den prestigeträchtigsten Kampf der Welt ("Ghangheng") eingeführt wird. Mit dabei ist, nachdem er sich schauspielerisch lange Zeit rar gemacht hat, der Ex-James Bond- Darsteller Roger Moore.

"Grosser Bahnhof für's Cinema", so meint Initiant Hans Rudolf Jost und trifft, wie man so schön sagt, den Nagel auf den Kopf. Ab Donnerstag- auf Freitagnacht steht Cinéville allen Ausgeschlafenen offen.

"Killer-Night" am Donnerstag, 20.Juni 1996:
ab 23.30 Uhr: "Pulp Fiction"
ab 02:30 Uhr: "Léon - Directors Cut"

"Thriller-Night" am Freitag, 21.Juni 1996:
ab 23.30 Uhr: "Midnight Express"
ab 02.30 Uhr: "Fargo"

"Action-Night": am Samstag, 22.Juni 1996:
ab 23.30 Uhr: "Total Recall"
ab 02.30 Uhr: "The Quest"

Vorverkauf "Cinéville" exklusiv in der Haupthalle HB Zürich ab Montag, 17.Juni 1996 täglich zwischen 11.00 und 19.00 Uhr. Der Eintrittspreis pro Nacht beträgt Fr. 35.- (für zwei Filme und 1 "Red Bull").


Für Biwidus: Der Kommissar aus Cineville