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17.11.1995

Was Herr Zündel zu Veröffentlichungen von Texten hält

Schreiben? (Gar veröffentlichen?) Wenn man wenigstens die Gewissheit hätte, ein repräsentativer Krüppel zu sein! Es geht nämlich nicht einfach um die Schreibfähigkeit, sondern darum, ob man - feierlich ausgedrückt - des Schreibens würdig sei. Würdig aber ist nur der in irgendeiner Weise Aussergewöhnliche (z. B. der Krüppel), doch darf diese Aussergewöhnlichkeit nicht in beliebiger, willkürlicher Apartheit bestehen, sondern sie muss als normale oder zwingende oder stellvertretende Aussergewöhnlichkeit identifizierbar bleiben. (Der Schreibende selbst weiss freilich nie so recht, ob er ein blosser Spinner ist oder ein exemplarischer Mensch.) - Korrektur: Repräsentative Aussergewöhnlichkeit ist natürlich etwas sehr Seltenes. Im Normalfall ist das Repräsentative das Hundsgewöhnliche. Und als exemplarischer Mensch kann jener gelten, der die durchschnittliche Nichtigkeit aufweist. Würde ein solcher Mensch seine durchschnittliche Nichtigkeit schreibend zu Markte tragen, so entstünde... ach was!

Eins bleibt sicher: Wer nicht bereit ist, stumm und spurlos durchs Leben zu huschen, ist ein geltungssüchtiger Schmutzfink. Ende.

P. S. Auf die raffinierteste Weise wichtig macht sich der Schweigende.


Aus Markus Werners "Zündels Abgang"

gescannt von Biwidus (EMail)