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4.11.1995

Konzerte

Max Lässers Madamax

Joachim Witt live

Kruder & Dorfmeister

Harfensphären

Clawfinger

Black Sabbath am OASG

Herbert Groenemeyer

Therapy

Judas Priest

EAV im Volkshaus

Pippo Pollina

Konzert: Sisters of Mercy

Uriah Heep am Touren

U2 in Prag

Dance Night

Die Prinzen in Zürich

Patent Ochsner in Winti

Konzert der Fanta 4

Björn im Xtra

Südstaatenrocker Georgia Satellites

Irisch, punky, cool: Big Geraniums

Mr. Ed Jumps The Gun

Element of Crime

Le _soldat inconnu

Fettes Brot

NO FX

Blümchen

Yothu _Yindi

Urban Cookie Collective

21. Winterthurer Musikwochen

Rainbirds

Gurd

Tic Tac Toe

Gaswerk

Hosen

Aerzte

Transglobal Underground

Die Verleihung des städtischen Pop-Oscars.

Ear

Pippo Pollina

Sina

Altan

Sven Väth

Paradise Lost

Marco Polo

Der Teufelsgeiger für alle: Marco Polo

Wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde: im bürgerlichen Leben ist er ein Aussendienstmitarbeiter im Event-Marketing-Bereich (whatever that means...) und mausert sich von Zeit zu Zeit zu einem Teufelsgeiger, zu einem Techno-Virtuosen, zu einem Grenzgänger zwischen Dancefloor und Tonhalle. Sein Name: Marco Polo.

Marco Polo trat letzten Samstag im Trend-Schuppen Ugly in Richterswil auf. Irgendwie passte dieser Ort zu diesem etwas neben den Normen musizierenden Typen. Das Ugly ist eine alte herrschaftliche Villa, die im Parterre und im oberen Stock seinen edlen Flair behalten hat und mit seinen Bars, schummrigen Räumen und bequemen Sofas geradezu zum Verweilen einlädt. Im unteren Stock, sozusagen im Kellergewölbe, steht jedoch eine moderne Tanzfläche mit allen Schikanen. Immer wieder finden dort coole Parties und fätzige Gigs statt. Diesmal war der Teufelsgeiger vom Dienst, Marco Polo, für eine halbe Stunde Gast im Ugly und zeigte, dass er nach seinem erfolgreichen Konzert im Hallenstadion als Vorgruppe von DJ Bobo (den wir ja alle so lieben) auch in einem Club die Fetzen zum Fliegen bringen kann.

Marco Polos Auftritt war sogar ganz pünktlich. Er spielte nicht nur seine drei bisher erschienenen (resp. noch zu erscheinenden) Maxi-Singles, sondern auch ein paar unbekannte Songs. Begleitet wurde er von zwei obermässig hübschen Tänzerinnen, wie es für solche Auftritte üblich ist. Der junge Beau fühlt sich offensichtlich auch wohl auf der Bühne, denn wie ein Besessener durchkreuzte er die kleine Dancefloor und liess seine Saiten heiss laufen. Die Musik kam zwar ab Playback, aber ich hatte das Gefühl, dass wenigstens seine heissen Geigenpassagen life gespielt worden waren (ich kann mich auch täuschen). Item. Das Konzert war interessant mitanzuhören, mir gefielen gerade eben diese Geigenpassagen ungemein. Er zog das Publikum zwar mit, aber so der letzte Pepp fehlte, wahrscheinlich vor allem deshalb, weil er die für kommerzielle Dancefloor-Hits üblichen Singpassagen eher knapp hielt. Das kommerzgewohnte Publikum konnte sich wohl nicht damit abfinden, dass Techno auch Instrumentalmusik sein kann.

Biwidus gegenüber meinte Marco Polo nach dem Konzert, dass er Auftritte vor grossem Publikum durchaus schätze und sich vorerst nicht in die Underground-Szene einpassen lassen möchte. Er wolle der zweite weltweite Techno-Act aus Schweizer Landen sein. Als vielseitiger Künstler könne er durchaus damit leben, Kommerzmusik für eine kommerzgewohnte Generation zu machen. Er komme gleichermassen vom DJ-Geschäft wie auch von der klassischen Musik, was anscheinend seine Synthese auch in seiner Musik gefunden hat. Er kenne René B. und könne sich durchaus vorstellen, ein Star zu sein und von Kids angehimmelt zu werden. Letzteres sollte ihm leichter fallen als dem Bäcker/Konditor aus Kölliken, denn Marco Polo sieht natürlich auch in meinem Urteil viel, viel besser aus.

Er kann offensichtlich seinen beginnenden Ruhm auskosten. Aber ich glaube nicht, dass er Starallüren bekommt und nicht mehr der kumpelhafte Typ sein wird, als den ich ihn kennengelernt habe. Ich kann seine Ansicht teilen, dass er einst einmal ein Star wird, dann aber irgendwann seine Rolle niederlegt und wieder in den Untergrund geht. Das wäre dem vielseitigen und ambivalenten Teufelsgeiger nämlich durchaus zuzutrauen. Jedenfalls würde das zu seinem Image als doppelgesichtiger Dr. Jekyll und Mr. Hyde passen. Er selber meinte gegenüber Biwidus ja auch: "Schliesslich muss ich ja auch Spass an der Sache haben". Ich respektiere das und wünsche ihm hiermit viel Erfolg in seiner aufblühenden Karriere.



Für Biwidus: Wildcat (EMail) aus dem Ugly in Richterswil.